Gemeinsam erreichen wir mehr...

Seit dem Ende der 60er Jahre gab es in Baden-Württemberg regelmäßige Konferenzen derer, die im kirchlichen Kontext mit Erwachsenenbildung betraut waren: Vertreter der evangelischen Landeskirchen in Baden und Württemberg sowie der Erzdiözese Freiburg und der Diözese Rottenburg, seit 1978 Rottenburg-Stuttgart, trafen sich im Arbeitskreis Christliche Erwachsenenbildung, um gegenüber dem Land ihre Interessen deutlich zu machen. Aus dem Arbeitskreis wurde um 1970 die Arbeitsgemeinschaft kirchliche Erwachsenenbildung und dann 1972 die KiLAG.

Mit der KiLAG hat die kirchlich getragene Erwachsenenbildung eine Organisationsform, die jener der Volkshochschulen mit dem vhs-Verband Baden-Württemberg entspricht. Seit den späten Siebziger Jahren gibt es regelmäßige Konsultationen zwischen diesen beiden Organisationen.

Inhaltlich diente die KiLAG in den ersten beiden Jahrzehnten vor allem der politischen Positionierung der kirchlich getragenen Erwachsenenbildung im Land. Es ging damals um die Gründung einer Landeszentrale für politische Bildung und um die Gestaltung eines Landesweiterbildungsgesetzes samt Durchführungsverordnung. Die KiLAG brachte sich ein mit Ihren Forderungen nach der Art der Förderung (Personal nach UE), der Ausbildung des Leitungspersonals (wissenschaftlicher Abschluss, mit Übergangsregelung). Das damals entstandene Gesetz ist bis heute gültig und wirkt inzwischen schon wieder modern.

Ab 1984 gehörte auch das Bildungswerk Süd der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) zur KiLAG. Der Vorsitz der KiLAG wechselt seit ihren Anfängen im Zwei-Jahres-Rhythmus zwischen den Konfessionen und den Landesteilen.

Die politische Aufgabenstellung der KiLAG ist bis heute prägend: Gemeinsam mit dem vhs-Verband setzt sie sich ein für eine Verbesserung der Landesförderung ein. Sie trug dazu bei, dass in der Enquete-Kommission „Fit für das Leben in der Wissensgesellschaft“ nicht nur - wie ursprünglich vorgesehen - die berufliche Weiterbildung thematisiert wurde, sondern auch die allgemeine Weiterbildung. Sie beteiligt sich heute am „Bündnis Lebenslanges Lernen“ (BLLL) und ist im AK Weiterbildung beim Kultusministerium prominent vertreten. Regelmäßig lädt die KiLAG den Bildungsausschuss des Landtages zu einem Arbeitsessen ein. Und wenigstens einmal in jeder Legislaturperiode gibt es (Einzel-)Treffen mit den bildungspolitischen Sprechern der Fraktionen.

Nachdem über die 2000 gegründete Baden-Württemberg-Stiftung eine Projekt-Förderung für die Allgemeine Weiterbildung ermöglicht wurde, ging es in der KiLAG auch um ein inhaltliches Miteinander: Gemeinsame Projekt-Trägerschaften oder Projekt-Planungen erzeugten inhaltliche Diskussionen, die deutlich machten, dass zwischen den Bildungsträgern der Kirchen ein hohes Einvernehmen bestand und besteht. Überhaupt findet sich in den Protokollen der letzten vier Jahrzehnte nirgendwo eine inhaltliche Dissonanz. Die Themen (Integration, Werte, Sterben/Tod z.B.) leisten eher einen Beitrag zu einer stärkeren Identifizierung mit der KiLAG.

Seit 2012 hat die KiLAG eine eigene 50%-Stelle als Assistenz eingerichtet, die vom Land über das „Lehrerprogramm“ mit 50% kofinanziert wird.

Die KiLAG beschreibt in ihren gemeinsamen Zielen als eine ihrer Aufgaben und als Ziel ihrer Bildungsarbeit, auf eine sozial inklusive Gesellschaft hinzuarbeiten. Als kirchliche Träger mit einer flächendeckenden Angebotsstruktur stellen die KiLAG-Mitglieder ein Potential zur Verfügung, das dazu eingesetzt werden kann, Menschen an sehr unterschiedlichen Orten aufzusuchen und zu erreichen. “Soziale Inklusion” ist für die KiLAG die Beschreibung dessen, was andernorts als “Option für die Armen” benannt ist. Die Zuwendung zu Menschen aus bildungsungewohnten, prekären Milieus, und zwar nicht aus einer Defizit-Perspektive, sondern im Sinne der Stärkung vorhandener Partizipationskompetenzen, wird für die KiLAG in den kommenden Jahren die Herausforderung sein. Ansätze dazu finden sich in jeder der Trägerorganisationen.

Michael Krämer