Ohne Alte geht es nicht! - Fachtagung zur CiLL-Studie

Im September 2014 bot die KiLAG im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart einen Fachtag zur eben erschienen CiLL-Studie an. CiLL (Competencies in Later Life) ist eine Studie, die die im Jahr 2013 erschienene PIAAC-Studie der OECD auf die Alterskohorte der 66- bis 80-Jährigen ausweitet, beschränkt auf Deutschland.

Die Veranstaltung war gut besucht, insbesondere von Menschen, die in der Bildung mit Älteren arbeiten oder sich für die Teilhabe von SeniorInnen an der Politik einsetzen. Damit wurden genau die Menschen erreicht, deren Arbeitsbereiche die Studie betrifft: Es ging schließlich um die Teilhabemöglichkeiten von Menschen im Alter zwischen 66 und 80 Jahren, also Menschen, die im Allgemeinen nicht mehr mit Erwerbsarbeit beschäftigt sind, und zwar in den Bereichen von Bildung, Politik und Wertschöpfung.

Als ReferentInnen waren beteiligt: Johanna Gebrande und Bettina Setzer, LMU München; Prof. Dr. Bernhard Schmid-Hertha, Uni Tübingen; die Workshops wurden geleitet von den Geschäftsführerinnen des Forum Kath. Seniorenarbeit (Christine Czeloth-Walter) und der LAGES (Bettina Hertel) sowie Dr. Pilipp Schwarz, dem ehrenamtlichen Vorsitzenden des Forums. Auf das Podium kam zu den Beteiligten der Leiter des Weiterbildungsreferates im Kultusministerium, Ministerialrat Dr. Norbert Lurz.
Die Ergebnisse der CiLL-Studie entsprechend weitgehend denen der PIAAC-Studie: Die Kompetenzen der Befragten zwischen 66 und 80 Jahren nahmen mit dem Alter zwar ab, die computerbasierten Problemlösungsfähigkeiten waren erwartungsgemäß in dieser Gruppe nicht besonders ausgeprägt. Aber die Abnahme der Fähigkeiten geschieht offensichtlich langsam. Sie ist weniger vom Alter als von der Grundqualifizierung abhängig. erstaunlich war, dass sowohl im Bereich der mathematischen Fähigkeiten (Numeracy) - das hätte erwartbar sein können - wie aber auch im Bereich der literalen Fähigkeiten (Literacy) kaum ein Unterschied zwischen Muttersprachlern und Deutschsprachigen mit Migrationshintergrund erkennbar ist.

Beide Kompetenzen sind von hoher Bedeutung, wenn es um Partizipation am Alltags- und Kulturleben, am gesellschaftlichen Geschehen und an politischen Diskursen geht.

Auch die Weiterbildungsbereitschaft der Altersgruppe war bestimmt (wie bei den Jüngeren auch) von der jeweiligen Grundqualifikation. Je höher diese war, umso stärker war auch die Weiterbildungsfrequenz.

Was bedeuten die Ergebnisse dieser Studie nun für die Weiterbildung? Offensichtlich ist Weiterbildung ein zentrales Element, wenn es um den Erhalt oder auch die Entwicklung von Partizipationsmöglichkeiten geht, wenn es also darum geht, Kompetenzen möglichst lange auf hohem Niveau zu erhalten. Dazu muss die Weiterbildung allerdings die entsprechenden Menschen erst einmal erreichen. Deswegen ist es notwendig, Orte zu schaffen, an denen Begegnung und Bildung fließend ineinander übergehen. Manchen Menschen macht ja schon das Wort »Bildung« Angst, und lebenslanges Lernen klingt für sie nach Bestrafung. Dass Lernen und Bildung Freude machen und Lebensqualität erhalten können, diese Erfahrung müssen manche Menschen erst einmal machen.

Dann aber ist es notwendig, ein flächendeckendes Angebot für diese Altersgruppe zu gestalten (zunehmende Immobilität). Und schließlich müssen angesichts geringer Renten die Angebote bezahlbar bleiben oder werden.

Es ist gut, dass es diese Studie gibt. Während die PIAAC-Studie (Menschen zwischen 16 und 65) stark auf die Beteiligung am beruflichen Leben ausgerichtet ist, beschreibt CiLL eine gesellschaftliche Gruppe, die anscheinend wenig zur Wertschöpfung unserer Gesellschaft beiträgt.

Denken wir hingegen an finanziell kaum ausrechenbare Bereiche wie »Bürgerschaftliches Engagement« und Ehrenamt, an die Bedeutung dieser Altersgruppe für das soziale Gedächtnis, an die dort gelagerten Erfahrungen und Wissensschätze, die erst noch zu heben wären, dann wird deutlich, wie notwendig hier eine nichtmonologische Bildung ist, wie notwendig intergenerationelles Lernen wäre und welche Unterstützung diese Menschen auch in ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten brauchen.

Dr. Michael Krämer