Fachtagung zur PIAAC-Studie der OECD

Lesen? Vielfach mangelhaft!

Mit über fünfzig Teilnehmenden aus Weiterbildung, Kultusverwaltung, Verbänden und Politik fand die von der keb DRS und der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft mit Unterstützung des Kultusministeriums durchgeführte Veranstaltung am 21.01.2014 zur PIAAC-Studie eine gute Resonanz. Dass jeder sechste Mensch in Deutschland gerade Mal auf Grundschulniveau liest, schreibt und rechnet, ist für ein Land wie Deutschland nicht nur beschämend, es ist auch gefährlich. Wer sich selbst lesend keinen Überblick verschaffen kann, steht immer auch in der Gefahr fremden Meinungen, die sich lautstark verbreiten, ausgeliefert zu sein. Die Teilhabe an kulturellen und politischen Prozessen ist diesen Menschen erschwert und auch in beruflicher Hinsicht ergeben sich Behinderungen und Einschränkungen. Darauf wies der Leiter der keb, Dr. Michael Krämer, bereits in seinem Eingangsstatement hin.
Anouk Zabal vom Gesis-Institut Mannheim, stellvertretende Projektleiterin der deutschen PIAAC-Erhebung, stellte die Studie differenziert vor und wies  im weiteren Verlauf darauf hin, dass nicht nur die Defizite von Menschen mit begrenzter Lese- und Schreibkompetenz in den Focus geraten sollten. Sie verwies auf die vielfältigen alltagspraktischen Fähigkeiten und zugleich auf die Notwendigkeit, Menschen in dieser Gesellschaft überhaupt Lust auf Lernen und auf Bildung zu machen.
Johanna Gebrande vom Pädagogischen Institut der LMU München machte deutlich, welche pädagogischen und politischen Konsequenzen aus der PIAAC-Studie zu ziehen sind: Die Studie sei daraufhin zu untersuchen, welche Hinweise sie für eine (sozial) inklusive Bildungsarbeit gebe. Dringend sei es, Menschen (auf Kompetenzstufe II) in ihren politischen und kulturellen Mitwirkungsmöglichkeiten zu stärken. Sinnvoll sei auch eine stärke Vernetzung zwischen Schulen, betrieblicher und allgemeiner Weiterbildung – unter Einbeziehung der Hochschulen. Hier erfolgte ein Hinweis auf das Konzept der lernenden Regionen.
Dr. Norbert Lurz, Referatsleiter Weiterbildung im Kultusministerium Baden-Württemberg, zeigte auf, in welcher Weise das Ministerium auf die PIAAC-Studie zu reagieren gedenkt. Vor allem verwies er auf die Enquete-Kommission ¨Fit für das Leben in der Wissensgesellschaft¨, die sich schon vor zwei Jahren mit diesem Thema auseinandergesetzt und Grundlagen für die Weiterarbeit in Baden-Württemberg geschaffen habe.
Die Podiumsdiskussion, mit eingespeisten Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum, versuchte eine genauere Interpretation der Daten aus der PIAAC-Studie.
Unter anderem ging sie auch der Frage nach, inwieweit eine allgemeine Lebenskompetenz, erworben in verschiedenen - nicht auf Lesen und Schreiben hin orientierten Lernformen – hilfreich sein kann, Menschen auch an die in der PIAAC-Studie abgefragten Alltagskompetenzen heran zu führen.
Am Ende waren sich die Teilnehmenden an diesem Fachtag darin einig, dass es einer konzertierten Aktion aus Weiterbildungsträgern, Vereinen, Verbänden und Politik bedürfe, um jenen Menschen, die vom gesellschaftlichen Ausschluss bedroht sind, Möglichkeiten der Teilhabe zu verschaffen.
Dorothee Kluth