Zwischen Traum und Trauma: Menschen auf der Flucht

(Re)traumatisierte Flüchtlinge verstehen und unterstützen

Fachtag für ehren- & hauptamtliche Mitarbeitende der Flüchtlingshilfe

Immer mehr Menschen verlassen ihre Heimat, weil ihnen dort kein sicheres oder gar überhaupt kein Leben möglich ist. Viele zieht es nach Deutschland, das aus der Ferne manchem als Traumland erscheinen mag. In ihrer alten Heimat, auf der Flucht, durch Krieg und Vertreibung haben viele dieser Menschen Traumatisierungen erlitten. Und ganz ohne Absicht aller Beteiligten gibt es am Zufluchtsort bisweilen Momente, die alte Schreckenserinnerungen wachrufen und retraumatisierend wirken (beengte und ungeschützte Wohnverhältnisse in Flüchtlingsunterkünften, Uniformen, Ausflüge). Aber auch die in der Flüchtlingsarbeit Tätigen sind nicht davor gefeit, dass die traumatischen Erlebnisse ihrer Klientel sie selbst sekundär traumatisieren oder Erinnerungen an eigene Traumata wachrufen.

Drei Fachtage hat die KiLAG zu diesem Thema veranstaltet mit Unterstützung der Baden-Württemberg Stiftung und des Kultusministeriums Baden-Württemberg. Wartelisten und die Resonanz der Teilnehmenden unterstreichen jedes Mal, wie wichtig das Thema für die Engagierten in der Flüchtlingsarbeit ist.

Fachtag in Karlsruhe am 20.02.2016

Skript von Frau Ziskoven

Skript von Frau de Almeida

 

Fachtag in Stuttgart am 05.03.2016

Skipt von Frau Ziskoven

Skipt von Frau Krettek

 

Fachtag in Singen am 12.11.2016

Skript von Frau Ziskoven

Skript von Frau Felske

Fachtag der EmK

»Was hat ein Eisberg mit Kultur zu tun?«,


das fragten wir uns beim Seminar »Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit« vom 23. bis 25. Juni in Stuttgart-Giebel. Dr. Åsa Nausner aus Schweden machte mit dem Bild des Eisbergs deutlich, dass Kultur viel mehr ist als das, was wir sehen können. Die wesentlichen Elemente, die Kultur ausmachen, sind nicht direkt zu erkennen. Und wie bei der Titanic kommt es zum Zusammenstoß, weil wir den Eisberg unter Wasser nicht bedenken. Es braucht Zeit zum Nachfragen und oft entdeckt man beim Erzählen auch mehr über die eigene Kultur als das Offensichtliche. So ging es den knapp 30 Teilnehmenden, als sie die Aufgabe hatten, den anderen, ihre Kultur vorzustellen.

Allgemeine Zuweisungen helfen nicht weiter; ohne eine offene Kommunikation bleiben wir in den Schubladen der anderen stecken. Es war einmal mehr wertvoll, dass an unserem Seminar auch Geflüchtete teilnahmen. Sie konnten uns erzählen, was sie bewegt und belastet und ihr Verständnis darüber, was »deutsch« ist, wurde durch dieses Seminar erweitert.

Josephine Jackson aus Tübingen, die mit schwarzen deutschen Jugendlichen arbeitet, hat uns eindrücklich darauf hingewiesen, wie im Alltag eigene Rassismen präsent sind (z.B. durch Kategorisierungen) und wir in der Flüchtlingsarbeit auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit Rassismus konfrontiert sind. Menschen, die mit Rassismus konfrontiert sind, brauchen darum »Empowerment«, eine Stärkung, eine Ermächtigung, um diesen Alltagserfahrungen etwas entgegensetzen zu können.

Und was sagten die Teilnehmenden zum Seminar?

  •  »Nach acht Monaten endlich wieder in einem Zimmer in Ruhe schlafen zu können, das war wunderbar«, meinte einer der Geflüchteten und es wurde uns allen sehr deutlich aufgezeigt, zu welchen psychischen Belastungen die Unterbringung in den Notunterkünften führt.
  •  »Ich hatte immer das Gefühl, ich kann offen meine Anliegen aussprechen – das hat mir besonders gut gefallen.«
  •  »Wow! Aleppo blickt auf eine 7000-jährige Kultur und Geschichte und gehört damit zu den ältesten Städten der Menschheit!?! – da saßen die Menschen hier in Deutschland noch in den Bäumen.«


Übrigens: Das nächste Seminar dieser Reihe ist vom 22.-24. September. Dann geht es um Konflikte und ums Deutsch lernen. In Baden Württemberg kann man dafür nach dem neuen Bildungszeitgesetz Bildungsurlaub in Anspruch nehmen. Tipps für alle, die in der Flüchtlingsarbeit engagiert sind finden sich auf der Homepage:

www.emk-flüchtlingsarbeit.de

Fachtag „Flüchtlinge und ihr religiöses Gepäck“ am 7. Mai 2016 im Hospitalhof Stuttgart

Stuttgart. Das Thema „Religion“ ist sensibel – und es ist dran. Das hat der Fachtag „Flüchtlinge und ihr religiöses Gepäck“ am 7. Mai im Hospitalhof Stuttgart gezeigt. Der Fachtag wurde von der KiLAG organisiert und von der Baden-Württemberg Stiftung finanziell unterstützt. Es kamen weit über die begrenzte Teilnehmerzahl hinaus 135 ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende der Flüchtlingshilfe. Aufgrund der großen Resonanz und positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden ist bereits ein Folgefachtag am Samstag 22. Oktober im Hospitalhof Stuttgart geplant. Dabei werden in einer Weiterführung und Vertiefung des Austauschs zu kulturellen und religiösen Prägungen Flüchtlinge aus Stuttgarter Unterkünften als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. 

Geflüchtete Menschen nehmen nicht nur ihre Erfahrungen, ihre Verzweiflungen und ihre Hoffnungen mit auf ihre Flucht, sondern auch ihr „religiöses Gepäck“. Was müssen diejenigen, die sie bei ihrem Ankommen begleiten, darüber wissen? Wie können die Helfenden mit den Spannungen zwischen Verständnis für die jeweilige Prägung und den Herausforderungen der Integration in Deutschland umgehen? Und wie können die Geflüchteten ihre religiöse Identität bewahren? Der Studientag am 7. Mai bot Informationen und den Austausch mit Experten in diesen Fragen. „Was man über das Orientalische Christentum wissen sollte“, lautete das Thema des Impulsvortrags von Pfarrer Dr. Uwe Gräbe, Verbindungsreferent Nahost der Evangelischen Mission in Solidarität und Geschäftsführer des Evangelischen Vereins für die Schneller-Schulen im Libanon und in Jordanien. Pfarrer Heinrich Georg Rothe, Islambeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, sprach darüber, „Was man vom arabisch geprägten Islam wissen sollte“, und Pfarrer Joachim Schlecht, Asylpfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, erläuterte, „Was geschieht, wenn Flüchtlinge mit ihrem ‚religiösen Gepäck‘ bei uns ankommen“. Friederike Weltzien gab Einblicke in ihre Arbeit als Pfarrerin und Psychotherapeutin (Tanztherapie) in der Betreuung von Flüchtlingen.